Straffälligkeit

Die Jugendzeit ist eine Phase des Umbruchs. Auszuprobieren, dabei Grenzen zu überschreiten, ist ein notwendiges Kennzeichen der Entwicklung vom Kind zum Erwachsenen. Nur so kann der junge Mensch zu einer Haltung finden, die ihn befähigt, Regeln eines harmonischen Zusammenlebens zu verinnerlichen und einzuhalten. Die Erprobung des Möglichen und Erlaubten - bis hin zu straffälligem Verhalten - kann besonders heftig in der Pubertät ausfallen.


Von jungen Menschen begangene Straftaten finden aus verschiedenen Gründen eine besondere Aufmerksamkeit. Das kommt auch darin zum Ausdruck, dass es neben dem Erwachsenen- ein Jugendstrafrecht gibt. Damit wird berücksichtigt, dass die Entwicklung des Jugendlichen noch korrigiert werden kann und durch eine entsprechende Beurteilung seines "Vergehens" eine Chance besteht zu lernen, sich den gesellschaftlichen Normen und Werten anzupassen.
Wichtig ist zu erkennen, ob es sich bei einer begangenen Straftat um einen einmaligen "Ausrutscher" handelt oder um Anzeichen, die auf eine beginnende, gefährliche Entwicklung bis hin zu einer Verfestigung von Fehlverhalten hinweisen.
Das verlangt von Eltern eine besondere Aufmerksamkeit und Beurteilung gegenüber dem Verhalten ihres Sprösslings. Fällt Ihnen selbst etwas auf, hören Sie über andere, dass sich Ihr Kind auffällig benimmt, schauen Sie genau hin. Der Gedanke "mein Kind tut so etwas nicht" hat schon häufig dazu geführt, dass nicht rechtzeitig eingegriffen wurde. Das aber raubt ihm die Chance, zu einem Zeitpunkt einen Weg zu verlassen, der nur der falsche sein kann.

(Quelle: www.elternimnetz.de)

Unterstützung erhalten Sie bei den Sozialen Diensten des Amtes für Jugend und Familie und bei der Ökumenische Beratungsstelle für Eltern, Kinder und Jugendliche.

 Außerdem werden im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen straffällige Kinder und Jugendliche durch die Jugendgerichtshilfe unterstützt. Ihr Aufgabengebiet umfasst im wesentlichen folgende Bereiche:

  • Beratung und Unterstützung der Jugendlichen und Heranwachsenden und gegebenenfalls der Eltern während des strafrechtlichen Verfahrens
  • Durchführung des Täter-Opfer-Ausgleichs
  • Vermittlung von: Einsatzstellen für Soziale Dienste, Sozialen Trainingskursen / Anti-Aggressions-Trainings, Verkehrskursen, Fahrsicherheitstrainings, Suchtberatung

 

Antworten auf wichtige Fragen

„Wer trägt die Verfahrenskosten?“

Die eigenen Auslagen in einem Verfahren musst Du im Falle einer Verurteilung selbst tragen.
Bei Jugendlichen ist es häufig so, dass sie kein Einkommen haben. Der Richter oder die Richterin entscheidet dann in der Regel, dass die Verfahrenskosten zu Lasten der Staats­kasse gehen.
Hat ein Jugendlicher oder eine Jugendliche regelmäßig eigene Einkünfte, entscheidet der Richter oder die Richterin im Rahmen der Urteilsverkündung über die Kostenfrage.

 

„Werden Verurteilungen ins polizeiliche Führungszeugnis eingetragen?“

Nein. Die einzige Ausnahme bildet die Verhängung einer Jugendstrafe, welche auch tatsächlich vollstreckt wird.

Allerdings werden sämtliche Verurteilungen von Jugendlichen (14-18) und Heran-wachsenden (18-21) ins Erziehungsregister eingetragen, zu welchem jedoch nur die Polizei, die Staatsanwaltschaft, das Gericht und gegebenenfalls das Jugend­amt Zugang haben.

 

„Bin ich jetzt kriminell?“

Bei den meisten Jugendlichen und Heranwachsenden handelt es sich bei der Tat um ein einmaliges Ereignis. Es ist jedoch wichtig, dass Du Dir darüber klar wirst, was an Deinem Verhalten falsch war und wie es Dir gelingt, zukünftig die Regeln einzuhalten.

 

„Wie kann ich bestraft werden?“

Es gibt folgende Möglichkeiten, nach denen ein Richter Dich für eine Straftat zur Verantwortung ziehen kann:

 1.  Verfahrenseinstellung verbunden mit Auflagen oder Weisungen

 2.  Verurteilung:

 mit Auflagen oder Weisungen

  • Freizeit- oder Dauerarrest
  • Jugendstrafe (6 Monate – 12 Jahre) 

 Mögliche Auflagen und Weisungen:

 Arbeitsstunden und/oder Geldbuße

  • Sozialer Trainingskurs/Anti-Aggressionstraining/Verkehrserziehungskurs/ Täter-Opfer-Ausgleich/Betreuungsweisung
  • Weisung, Kontakt mit der Erziehungs- oder Suchtberatungsstelle aufzunehmen

 

„Wie läuft eine Gerichtsverhandlung ab?“

Zu Beginn jeder Gerichtsverhandlung werden zuerst die Personalien der ange­klagten Person überprüft. Der Staatsanwalt verliest die Anklageschrift. Anschließend werden der Sachverhalt und die Hintergründe der Straftat erörtert, wobei auch die persönliche Situation des Angeklagten oder der Angeklagten bespro­chen wird. Mögliche Zeugen werden angehört, eventuell auch sachverständige Personen. Die Jugendgerichtshilfe nimmt Stellung zur Persönlichkeit und der Entwicklung der angeklagten Person, äußert eine Einschätzung bezüglich der weiteren Entwicklung des Jugendlichen oder der Jugendlichen und einer zu treffenden Strafe. Daraufhin stellt der Staatsanwalt den Strafantrag und der Richter entscheidet letztendlich über das Strafmaß.

 

„Was passiert, wenn die Polizei ermittelt?“

Sobald die Polizei zu einem Geschehen hinzugezogen wird (Ladendiebstahl, Schlägerei, Rauschgiftbesitz etc.), muss sie zunächst einmal aufnehmen, was vorgefallen ist. Dazu werden die Personalien aller Beteiligten aufgenommen und Zeugen angehört. Nachdem jede betroffene Person die Möglichkeit hatte, ihre Aussage zu Protokoll zu geben, wird die sogenannte Ermittlungsakte an die Staatsanwalt­schaft weitergeleitet. An dieser Stelle endet bereits die eigentliche Polizeiarbeit. Der Staatsanwalt entscheidet nun, ob ein Fall vor Gericht kommt, gegen die Erfüllung von Auflagen (Sozialer Trainingskurs, Verkehrserziehungskurs, Anti-Aggressionstraining, Arbeitsauflagen, Geldbuße) eingestellt wird oder auf Grund der Beweislage eingestellt werden muss. Zwischen Tat, Anklageerhebung und Gerichtsverhandlung kann einige Zeit vergehen.

(vgl. http://www.praevention-sig.de)

 

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