Frühförderung

Die Frühförderung ist ein Angebot von Hilfen für Kinder im Vorschulalter, die behindert oder von Behinderung bedroht sind, sowie für ihre Familie. Sie kann vom Zeitpunkt der Geburt an bis zum Schuleintritt gewährleistet werden. Als familien- und wohnortbezogenes Angebot richtet sich die Frühförderung nach den individuellen Entwicklungsvorausssetzungen des Kindes und den Bedürfnissen seiner Familie. Aufgabe und Ziel der Frühförderung ist es, drohender Behinderung entgegenzuwirken, Auswirkungen vorhandener Behinderung zu mildern und betroffene Familien zu begleiten. Zuständig für ambulante Frühförderung und Eingliederungshilfe im Vorschulalter für den Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen ist:

Bezirk von Oberbayern

Sozialverwaltung

Prinzregentenstraße 14

80538 München

In einer Frühförderstelle werden Kinder vom Säuglingsalter bis zum Schuleintritt behandelt, bei denen

  • (drohende) Behinderungen,
  • Teilleistungsstörungen,
  • Sprachstörungen,
  • Verhaltensauffälligkeiten,
  • (sonstige) Auffälligkeiten oder Beeinträchtigungen in ihrer Entwicklung,

diagnostiziert wurden. Die Behandlung kann in der Frühförderstelle oder in der jeweiligen Familie erfolgen. Manche Einrichtungen verfügen auch über einen Mobilen Dienst, der mit hilfebedürftigen Kindern einzeln oder in Kleingruppen in dem von ihnen besuchten Kindergarten arbeitet. Auf diese Weise können z.B. Kinder erreicht werden, deren (allein erziehende) Eltern vollerwerbstätig sind oder die aus anderen Gründen (z.B. fehlende Verkehrsanbindung, mangelnde Einsicht) nicht in die Frühförderstelle gebracht oder in der Familie behandelt werden können. Die Mitarbeiter/innen des Mobilen Dienstes legen in der Regel großen Wert auf die Zusammenarbeit mit den Erzieher/innen und stimmen mit ihnen erzieherische Maßnahmen ab.

Die Behandlung in einer Frühförderstelle ist für Eltern kostenfrei. Die Kosten werden von den Krankenkassen (nach Verordnung durch einen Arzt; in erster Linie medizinische Maßnahmen) und den Sozialhilfeträgern übernommen.

In einer Frühförderstelle arbeitet ein interdisziplinär zusammengesetztes Team von Sozialpädagog/innen, Heilpädagog/innen, Psycholog/innen, Ergotherapeut/innen, Logopäd/innen, Physiotherapeut/innen, Sonderpädagog/innen, Musiktherapeut/innen, Motopäd/innen, Ärzt/innen u.a. Auf diese Weise kann ein ganzheitliches Behandlungskonzept realisiert werden, das medizinische, psychologische, pädagogische, soziale und andere Maßnahmen umfasst. Wichtige Förderziele sind beispielsweise:

  • Förderung der Wahrnehmung,
  • Schulung der Grob- und Feinmotorik,
  • Unterstützung der Sprachentwicklung und der Kommunikation,
  • Aufbau eines angemessenen Sozialverhaltens,
  • Entwicklung lebenspraktischer Fertigkeiten sowie
  • Ermutigung zu einer aktiven Auseinandersetzung mit der Umwelt und der eigenen Behinderung.

Auf der Suche nach den Ursachen der Auffälligkeiten wird zunächst die Entwicklungsgeschichte eines jeden Kindes erfasst (Anamnese). Frühere Befunde (z.B. aus den Vorsorgeuntersuchungen U 1 ff.) sowie Beobachtungen der Eltern oder der Erzieher/innen geben Aufschluss über eventuelle Störungen in der Entwicklung. Auch können verschiedene Testverfahren eingesetzt werden. Eine besondere Bedeutung kommt der Beobachtung des Kindes beim Spiel mit ausgewählten Materialien und im Umgang mit anderen zu. Dann wird unter Einbeziehung der Eltern ein genauer Förderplan aufgestellt, der Maßnahmen aus den Bereichen Heilpädagogik, Krankengymnastik, Logopädie, Ergotherapie, Psychologie usw. umfassen kann. Die Behandlung soll sich nicht im Training von Einzelfunktionen erschöpfen, sondern die gesamte psychosoziale Entwicklung berücksichtigen.

Eine wichtige Rolle kommt der Zusammenarbeit mit den Eltern zu. So sollen sie in einer bejahenden Haltung zu ihrem Kind bestärkt werden. Auch wird großer Wert auf ihre Anleitung gelegt – die Eltern sollen erfahren, wie sie mit ihrem Kind am besten umgehen und wie sie es gezielt fördern können. Weitere Angebote sind Beratung hinsichtlich der Bewältigung persönlicher bzw. familiärer Probleme sowie Information über Fördermöglichkeiten, rechtliche Gegebenheiten und finanzielle Hilfen. Die ganze Familie soll eine Stützung und Stabilisierung erfahren.

 

Fallbeispiel “Jörg”: der Behandlungsverlauf

Nach der diagnostischen Abklärung schlagen die Mitarbeiter/innen der Frühförderstelle zunächst eine psychomotorische Übungsbehandlung vor. Die Mutter geht mit dem Bericht zu ihrem Kinderarzt, der diese Maßnahme verordnet. Die Behandlung umfasst Übungseinheiten zur Förderung der Wahrnehmung des eigenen Körpers (Körperfunktionen, Bewegungen, Körperschemata usw.) und der Umwelt (Raum, Materialbeschaffenheit usw.) und des Zusammenwirkens von Wahrnehmung, Reizverarbeitung und Motorik.

Bei den Übungen fällt auf, dass Jörg Probleme hat, seine Körperlage zu verändern (d.h., beim Rollen auf dem Boden wird ihm schlecht, Schaukeln in der Hängematte löst Ängste aus etc.). Auch hat er Schwierigkeiten, Töne zu orten oder bestimmten Geräuschquellen zuzuordnen. So kann er auch nicht die Bewegungen eines Schwungtuches nach der Musik richten. In der Wahrnehmung der koordinierten Bewegung liegen seine größten Probleme. Seine Bewegungen erscheinen linkisch, und er kann sein Bewegungstempo auch nur schwer regulieren. Diese Defizite erschweren es dem Kind, Vertrauen in seine eigenen Handlungen und der von Partnern aufzubauen. Die Vermutung liegt nahe, dass Jörg mit dem Gleichgewicht Probleme hat und seine Hörfähigkeit eingeschränkt ist.

Nach mehreren Gesprächen mit der Mutter wird das Kind zur Gehörüberprüfung zu einen Hals-Nasen-Ohren-Arzt geschickt. Die Vermutung erhärtet sich, als eine kleine Schädigung des Trommelfelles diagnostiziert wird. Jörgs Hörvermögen ist rechtsseitig eingeschränkt, und vermutlich ist sein Gleichgewichtssinn beeinträchtigt. Nach Aussagen der Mutter hatte das Kind vor zwei Jahren eine starke Mittelohrentzündung, die über lange Zeit chronisch verlief, damals aber nicht fachärztlich weiter behandelt wurde.  

(vgl. Familienhandbuch)

Beratung finden Sie hier.

 

 

 

drucken nach oben